Ich habe das mit der Pro7-Show für die Lesebühne nochmal ausgearbeitet. Ich hoffe, das nimmt mir die Casting-Firma MyTV nicht übel - es ist ja alles nur Spaß. Und hey: Wer das hier liest, schaut sich auf jeden Fall die Sendung an. Will ich hoffen. Zumindest, wenn ich da mitmache.Ich habe scheinbar das Talent, in Fernsehsendungen zu stolpern, für die man kein Talent braucht. Weil das gar kein richtiges Talent ist, sind mir die traditionellen Talent-Shows bislang zum Glück erspart geblieben. Aber es gibt ja noch jede Menge anderen Scheiß im deutschen Fernsehen. Ich gebe zu, ich bin es eigentlich immer selbst schuld. Im aktuellen Fall habe ich bei Xing in der Interessen-Sektion »Karaoke« eingetragen und angegeben, ich böte »peinliche Fernsehauftritte«.
Die, die diesen letzten Satz verstanden haben, können schonmal überlegen, was da wohl für eine Show bei rauskommen könnte, denen, die ihn nicht verstanden haben, erkläre ich kurz, was Xing ist: Xing spricht man eigentlich Crossing aus, so wie man eigentlich bei Ikea Schöttbullar statt Köttbullar sagen müsste, nur versteht einen dann keiner. Ich gebe zu, ich habe früher auch nie gerafft, was das amerikanische Straßenschild zu bedeuten hat, auf dem ein Männchen über die Straße geht und drunter steht »Ped Xing«. Dabei hat es mir nicht geholfen, dass die Amis Christmas »Xmas« schreiben, wenn sie nur Platz für vier Buchstaden haben. Denn »Ped Christening« hat mich der Lösung auch nicht näher gebracht.
Xing ist jedenfalls eine Social-Networking-Seite im Internet für Berufstätige oder solche, die glauben, es zu sein. Da kann man dann eintragen, was man kann und was man gelernt hat (Felder, die ich gerne freilasse), was man sucht, wofür man sich interessiert und was man bietet. Die Idee dahinter ist, dass einen irgendwann Bill Gates anruft und der einen fragt, ob man nicht für 10 Millionen im Jahr für ihn arbeiten will, ohne sich dabei wie Heidi Klum in peinlichen Fernsehauftritten zum Affen machen zu müssen. Mich hingegen hat bislang nur die Mitarbeiterin einer Casting-Firma angerufen und gefragt, ob ich mich nicht für weit weniger Geld, als Heidi Klum bekommt, in einem peinlichen Fernsehauftritt zum Affen machen will. Das hat man davon, wenn man bei Xing einträgt, man böte peinliche Fernsehauftritte.
Es geht um die neue Pro7-Show »The Singing Bee«. Dämlicher Name. Wie Xing oder sowas. Hat nix mit singenden Bienen zu tun, sondern eher mit singenden Affen. Fünf Kandidaten treten hier gegeneinander an. Die Studioband spielt einen Song, und sobald der aufhört, muss einer das Lied weitersingen. Wer den Text richtig hinkriegt, kommt in die nächste Runde. Dabei flippt das Studiopublikum total aus und tanzt wie bekloppt in der Gegend rum. Zumindest im amerikanischen Original. Mit Amerikanern kann man sowas ja machen. Denen kann man auch Schilder mit »Ped Xing« hinstellen und die wissen sofort, was zu tun ist. Wie das mit deutschen Publikum funktionieren soll, weiß ich nicht. Ich hoffe, die drehen auf dem Oktoberfest.
»The Singing Bee« wird in Amerika von Joey Fatone moderiert. Joey Fatone. Das klingt unheimlich gut. Bis man es liest. Ist das Gleiche wie bei Crossing. Mit einem Namen wie Fatone lebt es sich in Italien bestimmt gut, in Deutschland ist man damit auch der Checker, aber in Amerika wird Fatone nunmal genauso geschrieben wie »Fat One«. Das passt enorm gut, denn Joey ist der Fat One von N'Sync, der seine Trauer darüber, dass sein Band-Kollege Justin Timberlake mittlerweile unheimlich reich und berühmt ist, in sich hineinfrisst - zusammen mit einer großen Menge Cheeseburgern. Seine Show war in Amerika allerdings ein ziemlicher Renner. Zwei Sendungen lang. Dann mussten die Produzenten »The Singing Bee« wohl in ein medial zurückgebliebenes Land verkaufen. Rumänien hatte nicht genug nationale Lieder, also hat Deutschland den Zuschlag bekommen.
Ich bin natürlich prädestiniert für so eine Sendung, weil ich Songtexte grundsätzlich falsch lerne. Bei mir singen die Backstreet Boys statt »I want it that way« »I want a fat babe«, James Blunt singt »You're pitiful« und Yvonne Catterfeld: »Für Dich mach ich jeden Tag Gymnastik«. Bin aber trotzdem im Recall. Ich nenne denn jetzt mal so, weil sie einen da nochmal anrufen. Dann spielen sie einem 15 Lieder vor, drücken irgendwann auf Pause und man muss weitersingen. Abgesehen davon, dass ich dachte, die Wadeln von DJ Ötzi seien »gigastark« statt »gigaschlank« (denn seit wann sind gigaschlanke Wadeln der Wahnsinn für die Madeln?), hab ich zumindest in der Schlagerrubrik alles richtig gemacht. Ich sag ja: Wenn die das auf der Wiesn drehen, dann hab ich Chancen auf den Sieg.
Es gibt nämlich tatsächlich was zu gewinnen, und zwar bis zu 50.000 Euro. »Bis zu«, das klingt für mich so, als würde man wetten: »Ich mach Dir hier fünf bis sechshundert Liegestütze!«, und wenn der andere einschlägt, macht man fünf Liegestütze und hat gewonnen. Ich sag Euch: Das passiert mir nur EINMAL!
Aber 50.000 Euro, das sind 100.000 Mark, das sind ja 200.000 Euro! Dafür kann man sich schonmal zum Deppen machen. Der Nachteil: Ich muss jetzt zur Vorbereitung Radio hören. Und ich hasse das Radio. Ich hasse es seit der Zeit, als man seinen Angebeteten Musikkassetten aufgenommen hat und die verdammten Moderatoren immerzu in den Song gequatscht haben.
Da hockt man konzentriert vor der Radio-Kassettenrekorder-Kombination der Eltern und wartet auf das eine Lied, das noch für den geistreich »Kuschelcore« getauften Musik-Mix fehlt, den einen Song, der noch genau auf die sorgsam berechnete 45-Minuten-B-Seite der teuren BASF-Kassette passt, die bedrohlich rote Aufnahmetaste ist schon gedrückt, man muss nur noch die Pausentaste entriegeln, wenn der DJ seine Anmoderation für Metallicas »Nothing Else Matters« beendet hat, und jetzt hält er endlich die Schnauze, das Band der sorgsam bunt-beklebten Kuschelcore-Kassette dreht sich, die Musik setzt ein, das Werk nähert sich seiner Vollendung, da quatscht der DJ plötzlich nochmal los: »Hey, und fahrt vorsichtig da draußen...« ARGH!
Ja, DAS waren die 80er und 90er für mich, und wenn der Moderator von Radio Stradivari oder wie der Kacksender heißt, den ich mir jetzt aus Trainingsgründen anhören muss, dann immerzu frohlockt: »Wir spielen das Beste der 80er, 90er und von heute!«, dann möchte ich das Radio aus der Wand reißen, was ich nur deshalb nicht tue, weil ich dann beim Duschen selber singen müsste, aber das kann ich nicht, ich muss ja nur die Texte lernen.
Kurz darauf sagt der DJ: »Jetzt bei uns: die extralange Musikstrecke. Vier Lieder am Stück. Nur bei uns. Radio Fackisacki.«, und nach dem ersten Song erzählt er ja doch wieder, was der zweite Song sein wird. Und was ist überhaupt mit Radio Energy los? Die kürzen sich NRJ ab. Das liest man Enerjay. Wennse Energy heißen, sollen sie NRG schreiben! Wenn man Crossing heißt, schreibt man ja auch nicht Xeng.
Apropos: Ich hab bei Xing auch eingetragen, dass ich kostenloses Essen suche und Lebensmittel- und Getränkebeseitigung biete. Aber darauf meldet sich natürlich keiner.