Kleine Abenteuer in der grossen Stadt

10.1.10

Kinderspiel

Seit Noam auf der Welt ist, werde ich immer wieder gefragt: »Wie ist das denn so mit sonem Baby?« Dabei lässt sich das doch ganz leicht selbst ausprobieren, wie das so ist mit sonem Baby:

Schritt 1: Die Schwangerschaft
Lassen Sie sich einen Kastenteufel operativ in ihre Bauchhöhle einpflanzen. Der Kastenteufel sollte aus weichem, organischen Material bestehen, idealerweise aus lebendem Schwamm, der im Laufe von neun Monaten auf ein Gesamtgewicht von gut zehn Kilo anschwillt. Um das Gerät mit ausreichend Nährstoffen zu versorgen, schlagen Sie fünfmal am Tag ein beliebiges Kochbuch auf und blättern Sie willkürlich zu irgendeiner Seite. Tippen Sie mit verbundenen Augen auf einen beliebigen Punkt auf besagter Kochbuchseite. Von der Rezeptzutat, auf die Ihr Finger dabei gefallen ist, essen Sie nun so viel, bis Sie sich übergeben müssen.
Ferner muss der Kastenteufel mit einem Zufallsauslöser bestückt sein. Das Gerät wird derart implantiert, dass der aus dem Kasten springende Teufel in Richtung Unterleib heraus schnellt. Nur so erleben Sie das maximale Schwangerschaftsgefühl: Übelkeit, unkontrollierbare Gewichtszunahme und überraschende Stöße in die Blase.

Schritt 2: Die Entbindung
Lassen Sie den Kastenteufel entfernen und sich stattdessen einen Fußball in den Zwölffingerdarm einnähen. Engagieren Sie Luca Toni, um den Ball in regelmäßigen Abständen mit überraschenden, gezielten Trittattacken in Richtung Anus zu treiben. Wenn Tonis Fußtritte im Abstand von fünf Minunten kommen, fahren Sie ins Krankenhaus. Lassen Sie hier ein bisschen Ihren Bauch und den Fußball abhorchen und sich danach wieder nach Hause schicken. Gehen Sie heim, berühren Sie kurz Ihre Türklinke und fahren Sie gleich wieder zurück ins Krankenhaus, denn jetzt ist es wirklich so weit. Pfeifen Sie nun auf den goldenen Vorsatz, keine Schmerzmittel nehmen zu wollen, und jagen Sie sich so viele Drogen rein, wie Sie kriegen können. Hier ist Luca Toni ein hilfreicher Ansprechpartner. Nach gut 14 Stunden dürften Sie das Ding aus sich rausgepresst haben. Freuen Sie sich, jetzt haben Sie etwas zum Spielen! Und wenn’s nur ein beschissener Fußball ist.

Schritt 3: Füttern des Babys
Binden Sie eine Maus an eine Kordel und fixieren Sie am Ende der Kordel eine leistungsstarke Metallklemme, wie Sie sie von Ihrem Überbrückungskabel im Auto kennen. Befestigen Sie die Klemme an Ihrer rechten Brustwarze. Nun lassen Sie die Maus innerhalb des von der Kordel bestimmten Bewegungsspielraums frei herumlaufen und –springen und so kontinuierlich aber unberechenbar an der Klemme zerren.
Wenn der Schmerz nach etwa zehn Minuten durch ein Taubheitsgefühl abgelöst wird, wechseln Sie die Klammer zur frischen linken Brustwarze.

Schritt 4: Wickeln des Babys
Füllen Sie einen halben Liter Buttermilch in eine Plastiktüte, und geben Sie für die richtige Färbung gelbes Curry-Pulver hinzu. Schlagen Sie die Mixtur mit einem Schneebesen schaumig. Verzwirbeln Sie die Öffnung der Tüte mit zwei oder drei Drehungen und stellen Sie das Gemisch für 48 Stunden auf die Heizung. Legen Sie den Beutel anschließend mit der Öffnung nach unten in eine Windel und lassen Sie das Paket drei Stunden ruhen. Sobald ein süßlich-käsiges Aroma den Raum durchflutet, legen Sie die Tüte mit der Windel auf den Wickeltisch. Öffnen Sie die Windel und hoffen Sie, dass sich die Tüte zwischenzeitlich selbst entleert hat. Warten Sie fünf bis zehn Minuten.

Sagen Sie laut: »Ach, da kommt nichts mehr!« und entfernen Sie die Windel. Nun schlagen Sie plötzlich mit der flachen Hand mit voller Wucht auf die Plastiktüte. Versuchen Sie, sich dabei selbst zu überraschen. Der Inhalt der Tüte wird sich nun explosionsartig und nach einem unvorhersehbaren Muster im Raum verteilen. Reinigen Sie sich selbst, den Wickeltisch und die nähere Umgebung, nehmen Sie eine neue Windel und eine neue Tüte körperwarme Curryschaum-Buttermilch und beginnen Sie das Spiel von vorne.

Schritt 5: Das Baby Anziehen
Bohren Sie acht schmale Löcher kreisförmig angeordnet in ein Holzbrett. Nehmen Sie nun einen lebenden Kraken. Stecken Sie nacheinander und reihum die Fangarme des Tieres durch die Löcher, ohne dass sich das Tier dabei aus Ihrem Griff windet. Binden Sie dann auf der anderen Seite des Brettes adrette Schleifchen aus je zwei Tentakeln des Kraken. Versuchen Sie, das Anziehen so zu gestalten, dass das Tier die Prozedur überlebt.

Schritt 6: Mit dem Baby reden
Rufen Sie in jeder freien Minute, die Sie nicht mit den vorgenannten Schritten beschäftigt sind, eine beliebige Telefonnummer in China an. Sobald sich am anderen Ende der Leitung ein Gesprächspartner zu erkennen gibt, beginnen Sie mit erhöhter Stimme auf ihn einzuplappern. Was Sie erzählen, ist dabei völlig egal, Hauptsache es klingt aufmunternd und friedlich. Seien Sie sich also nicht zu blöd, dem werten Chinesen Ihre Lohnsteuererklärung, Abschnitt A, vorzulesen.
Erfreuen Sie sich regelmäßig an den merkwürdigen Lauten, die Ihr Gesprächspartner von sich gibt, und bestärken Sie ihn ab und zu mit einem herzlichen »Ja fein!« oder »So süß bist Du!«.

Schritt 7: Spazierengehen mit dem Baby
Hüllen Sie eine Ihrer gewickelten Curryschaum-Buttermilchtüten in die Liegeschale Ihres Kinderwagens. Fangen Sie den Kraken ein und stopfen Sie die acht Krakenarme wie gehabt in die dafür vorgesehenen Löcher. Ziehen Sie anschließend ein keckes Mützchen über den Kopf des Tieres. Legen Sie den Kraken zur Curryschaum-Buttermilchtüte in die Liegeschale. Tragen Sie nun das Chassis des Kinderwagens vier Stockwerke hinab in den Flur des Erdgeschosses. Laufen Sie zurück in die Wohnung und holen Sie die Liegeschale mit dem Kraken und der Curryschaum-Buttermilchtüte.

Im Erdgeschoss angekommen setzen Sie beide Teile zusammen. Nun sind Sie bereit, um noch einmal in die Wohnung zu laufen, um die Wickeltasche zu holen, die Sie vorher vergessen haben. Zurück ins Erdgeschoss. Betrachten Sie den Kraken und kommen Sie zu dem Schluss, dass er noch Handschuhe braucht. Zurück in die Wohnung, Baby-Handschuhe besorgen, alternativ Babysocken. Bei der finalen Inspektion des Kinderwagens fällt Ihnen auf, dass der Krake die Curryschaum-Buttermilchtüte aufgeknabbert hat. Unterbrechen Sie den Spaziergang, um Schritt 4 (Wickeln) zu wiederholen. Wo Sie gerade dabei sind, wiederholen Sie auch Schritt 3 (Füttern).

Begeben Sie sich nun zum Babyaustatter Ihrer Wahl, und kaufen Sie einen Ersatz für den Kinderwagen, den man Ihnen zwischenzeitlich aus dem Treppenhaus gestohlen hat. Eilen Sie anschließend wieder nach Hause, um den bemützten und behandschuhten Kraken vor dem Überhitzungstod zu retten.

Schritt 8: Eine Auszeit nehmen
-entfällt-

Schritt 9: Schlafen
Bleiben Sie einen Tag und eine Nacht lang wach, um die richtige Grundlage zu schaffen. Am Ende des zweiten Tages legen Sie sich um 22:00 Uhr ins Bett, stehen dann aber sofort wieder auf und wiederholen Schritt 3 (Füttern). Laufen Sie anschließend mit einer Ihrer Curryschaum-Buttermilchtüten in der Wohnung auf und ab und singen Sie leise, bis es 23:00 Uhr ist.
Nun führen Sie Schritt 4 durch (Wickeln), stellen einen Wecker auf 01:30 Uhr und legen sich schlafen. Wachen Sie um ein Uhr auf und sorgen Sie sich, weil der Krake gar keine Schlafgeräusche macht. Nachdem Sie sichergestellt haben, dass der Krake noch lebt, legen Sie sich wieder hin, bis um 01:30 Uhr der Wecker klingelt.

Nun sorgen Sie sich, weil die Kordelmaus so laute Schlafgeräusche macht. Nachdem Sie sichergestellt haben, dass die Kordelmaus noch lebt, spazieren Sie bis drei Uhr durch die Wohnung und telefonieren Sie in gewohnter Manier mit China. Schlafen Sie nun eine Stunde. Im Sitzen.

Ergießen Sie jetzt eine Curryschaum-Buttermilchtüte über das Kinderbett. Machen Sie die Sauerei weg, während Sie dabei die Kordelmaus an einer Brustwarze Ihrer Wahl zerren lassen. Anschließend fangen Sie den Kraken ein, stopfen die acht Krakenarme in die dafür vorgesehenen Löcher und machen Sie die Schleifchen drauf. Kommen Sie gegen fünf Uhr zu dem Schluss, dass Sie jetzt auch nicht mehr ins Bett gehen müssen. Ziehen Sie sich an und freuen Sie sich auf einen neuen Tag mit Ihrem Baby.

31 Comments:

Anonymous pepper said...

Er ist eben ein Vaddr. Von ganzem Herzen.

10/1/10 13:57

 
Blogger chiefjudy said...

Herzlichen Glückwunsch :-).
Und danke, daß ich nun weiß, was mal auf mich zukommt. Ich such schonmla die richtigen chinesischen Telefonnummern raus (jetzt weiß ich auch, wieso Nachwuchs so teuer ist) ;)

10/1/10 14:07

 
Anonymous phil said...

Hm,scheint ja Spaß zu machen... :>

Naja,der Kollege Lott kann ja sicher reichlich Tipps geben,hat ja auch eine Reihe ähnlicher Einträge verfasst

10/1/10 17:59

 
Anonymous thegrinch said...

http://www.shortnews.de/start.cfm?id=808418

10/1/10 20:09

 
Blogger Headcrap said...

Jetzt weiß ich endlich, wie gemein ich vor 16 Jahren war. Hrhrhr

10/1/10 22:50

 
Blogger Christoph said...

:)

11/1/10 01:45

 
Blogger Philipp Kleidt said...

Also das, Fabian, war mit einer der besten Texte den ich hier je lesen durfte. Super geschrieben und locker zu lesen, genau mein Humor!
Und das mit dem Kind bekommst du schon hin, wenn nicht du, wer dann? ;)

11/1/10 09:10

 
Blogger Rentokill said...

Die Vaterschaft scheint deiner Schreibhand gutzutun - der war mal wieder richtig lustig! Das mit den Windeln und dem Schlafen wird sich bessern. und lieber so rum als bei uns - Lana hat ihr erstes Jahr immer super geschlafen und fängt JETZT an, immer präzise in unserer Tiefschlafphase eine Stunde lang wach sein zu wollen. wo wir schon vor allen anderen Jungeltern immer groß getönt hatten, Ja UNNNNsere, die schläft immer gaaanz toll durch... grmpf. naja, gruß an Superfrau und Supberbaby.

11/1/10 13:10

 
Blogger Falcon said...

Aber sei mal ehrlich: Möchtest Du auch nur eine Sekunde davon missen?
Und jetzt verkneif Dir die Antwort, warte 15 Jahre und gib sie mir dann ;-).

11/1/10 14:27

 
Blogger Lord Quinex said...

Herrlich. So gelacht habe ich zum letzten Mal... ich glaube es war dein vorheriger Text^^

Dann nochmal einen herzlichen (und verspäteten) Glückwunsch zum Vaterglück. Und die Hoffnung, dass auch zukünftig noch für solche Texte Zeit ist. Vielleicht sogar im ein bis zweimonatigen ABstand?

11/1/10 22:17

 
Anonymous UrML said...

Datt geht doch nich'! Jetzt musste grad ein Taschentuch her, um die Lachtränen wegzuwischen. Ein verdammt guter Start in den Tag, danke Fabian. :)

12/1/10 08:08

 
OpenID aruokashiro said...

OmG!
This made my Day.
Das sollte man weiterverbreiten. :D
Regards,
Aru

12/1/10 09:08

 
Blogger rollinger said...

Hahaha warten Sie bis die Krake erst mal selbst krabbeln kann und Meinungen vertritt! Dan nwird das alles noch besser. Die Currymilchtüte ändert die Farbe belibt aber erhalten und wird mengenmäßig eher mehr und unangenehmer. Auch die Lautstärkeskala ist nach oben ziemlich offen!

12/1/10 15:38

 
Anonymous Anonym said...

Also, unser Kleiner ist ungefähr gleichzeitig mit Noam gekommen, und ich kann so gut wie alle Details absolut bestätigen - sehr treffend berichtet.

Die ganze Sache wird dann nochmal interessanter, wenn man das erste Mal, na, Kürbisbrei gibt. Is´n Schauspiel.

14/1/10 16:19

 
Blogger Frau Vivaldi said...

Jaaaa, genau so ist es!!

Einfach genial geschrieben, danke!

14/1/10 21:29

 
Blogger Marcel said...

Na, mit so einem Fachwissen, kann ja nichts mehr schiefgehen ;)

Herzlichen (wenn auch verspäteten) Glückwunsch zur Vaterschaft.

14/1/10 22:15

 
Blogger Barbara said...

Selten so gelacht!!!!! Meine "Krake" ist jetzt 18 und manchmal denke ich an diese Zeit zurück - ist dann gar nicht mehr so schlimm - und es ist schön, wenn Dich 8 Krakenarme umarmen! Viel Spaß mit Eurem Nachwuchs!

14/1/10 23:26

 
Anonymous Anonym said...

Ich habe mich halb schlapp gelacht!!! Bin seit Dezember Mama und kann einiges davon gut nachvollziehen. Aber mit so viel Humor betrachtet macht es mir dann echt Spass mit meiner Süssen... Glückwunsch und alles Gute mit Deinem "Monster" ;o)))

19/1/10 16:45

 
Blogger Fabian said...

Vielen Dank für das Lob, insbesondere von den Nicht-Stammlesern. Wobei ich gar nicht weiß, ob ich überhaupt noch Stammleser hab...

19/1/10 17:01

 
Blogger Frau awa said...

Glückwunsch von einem Stammleser ... ähm ... -r Leserin ...

Lustig wird es erst noch ... und dann, wenn er 14 und schließlich 15 ist, dann erinnere Dich daran, dass er mal so süß war, wie heute ... fg

19/1/10 21:42

 
Anonymous Janni said...

Auch von mir aus Österreich einen herzlichen Glückwunsch.

Ich hoffe vllt alle 3-4 Monate weiterlesen zu können.

Wie das aussieht liegt es wohl nicht nur an Superfrau und Superbaby, da muss ja auch ein Stück Superfabian dabei sein..

20/1/10 13:31

 
Blogger ich mittendrin said...

Das Bild ist ja mal echt süß xD

Schade dass du deinen Sohn nicht Luke nennen konntest... xD

22/1/10 16:58

 
Blogger geckoman said...

Wirklich SEHR lustig. -> Auch Stammleser.

25/1/10 17:34

 
Blogger Der Imperator said...

Das diese frischen Väter immer so übertreiben müssen. ^^
Spätestens nach einem Jahr hat man das eh vergessen. Sonst hätte jedes Paar nur ein Kind. :D

Übrigens: Süßes Baby, kommt wohl ganz nach der Mama. ;D

27/1/10 18:07

 
Blogger Kerstin said...

Alter, hast Du vom Schlafmangel Falten bekommen ;-) Genau deswegen reproduziere ich keine Nachkommen. Hab auch so schon genug Falten.
Trotzdem herzlichen Glückwunsch.

27/1/10 20:43

 
Anonymous Ragor said...

Na logisch haste noch Stammleser. Die regelmäßig nach Neuem gucken. Endlich wird der darbende Stammleser mal wieder mit nem neuem Machwerk beglückt. Aber hast ja monentan nachvollziehbarer Weise besseres zu tun als auch noch privat in die Tasten zu hauen.

Und zu dem pic von Dir und Noah: Ja, klar, süß etc.
Aber sei mir nicht böse, aber der Kleine sieht dem Michael Trier verdammt ähnlich. Oder wird eher anders herum ein Schuh draus? XD

28/1/10 17:17

 
Anonymous Chris said...

Sehr witzig, und so wahr. Darauf bereitet einen ja sonst keiner vor. Endlich mal jemand, der das Leben "danach" mal beschreibt wie es wirklich ist :)

5/2/10 22:41

 
Blogger Rociel said...

Viel zu spät auf diesen Eintrag aufmerksam geworden. Glückwunsch auch von mir, und... OHH BABYBILD WUWUWU sabber!

19/2/10 22:13

 
Blogger Rociel said...

p.s. Lieber Fabian-Sprößling
es tut mir leid, dass ich zuerst Sachen wie "Da isn M zu viel, obwohl M viel zu weit weg von A auf der Tastatur ist" oder "Was wollt ihr denn? - (Ma!)Noam!" gedacht habe, bevor ich das hier gelesen habe. Ich wünsche dir ehrlich, dass du dir das später mal nicht in der Schule anhören musst.^^

26/2/10 17:40

 
Blogger Rentokill said...

Selbst wenn du keine Stammleser mehr hättest - immerhin hast du ja jetzt einen StammHALTER. ;-)

5/3/10 14:14

 
Anonymous David said...

Da die neue Redaktionsfolge aus Deiner Feder stammt, kann man das als neuestes Werk betrachten - auch wenns nicht gebloggt wurde. (; Die Folge ist genial!

24/4/10 22:46

 

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