Deutschland gegen USA: Drei zu Nullen.
Waren heute zu dritt im amerikanischen Konsulat in Frankfurt. Der Markus, der Frank und ich. Um uns Journalistenvisa zu besorgen. Wenn man so eins will, kann man nicht einfach nen simplen Antrag schreiben. Man muss nen simplen Antrag schreiben und mitsamt dem bereits erwähnten bizarren Fragebogen persönlich abgeben. In Frankfurt. Alle in Deutschland, die so ein Visum wollen, müssen mit dem Wisch persönlich vorbeikommen. Nach Frankfurt.
Denn das Konsulat behält sich vor, jeden Antragsteller vor Ort zu durchleuchten. Um sicherzugehen, dass der nicht doch in Amerika bleiben will. Also soll man nach Möglichkeit ein paar Nachweise mitbringen, die zeigen, dass man feste Bindungen nach Deutschland hat. Bilder von Frau, Kind und Hund, ein Playboy-Abo oder den ärztlichen Befund, dass man nur am Leben bleibt, wenn man alle zwei Tage selbstgemolkene Milch einer seltenen, nackten Katzenart trinkt, die es nur in der Gegend von Wipperfürth gibt.
Sämtliche Nachweise darf man nur in einer Klarsichthülle mit ins Konsulat nehmen. Damit man die Bomben gleich sehen kann. Die kann man allerdings auch in dem ebenfalls vorgeschriebenen DinA4-Umschlag verstecken, den man ebenfalls mitbringen muss, der aber nicht durchsichtig sein braucht. Ansonsten darf man nix mitnehmen. Keine Taschen, keine elektronischen Gegenstände, keine Sturmgewehre. Pöh.
Wir kommen also nach dreineinhalb Stunden Zugfahrt und ner Viertelstunde Taxi um halb elf an, und da sind erstmal zwei Warteschlagen. Und keiner, der einem erklärt, an welche man sich anstellen muss. Wir wählen spontan die linke und kommen nach zehn Minuten bei einem alten Männchen hinter Panzerglas an. Der will unsere Anträge sehen, kein Problem, unsere Ausweise, tadaa, und die Nachweise, dass wir 85 Euro für das Visum im Voraus bezahlt haben... boing! Den Wisch hab ich irgendwie nicht! Das Männchen erschießt mich wider Erwarten nicht sofort, sondern gestattet mir trotzdem, mein Anliegen vorzutragen. Wird auch langsam Zeit, wir haben ja nen Termin um elf. »Neenee, der Termin ist für mich, hier bei der Anmeldung. Hier hamse alle ne Nummer und nu an der rechten Schlange anstellen. Haben Sie elektronische Geräte dabei?« Nee, meine Bombe funktioniert mechanisch.
Also nochmal ne halbe Stunde auf der Straße stehen, bis wir endlich reindürfen. Drinnen dann natürlich großes Leutedurchsuchen. Wir treten in Fünfergruppen an, der Drillsergeant erklärt, was passiert: »You will put all the things from your pockets in this container! Next, you will remove your watches and belts and put them in the container as well! Next, you will remove your jacket! Then you will proceed through the metal detector! Commence!«
Die Dramatik geht verloren, als der Mann hinter dem Detektor auf Anraten von Frank und Markus ruft: »Fabian! Auuuuuuszieh'n! Auuuuuuszieh'n!«
So, also endlich geschafft! Rein ins Haupthaus, Wisch abgeben und wieder heim, so der Plan.
Nuja, schonmal im Disneyland in ner Warteschlange gestanden? Wenn man denkt, man wäre endlich drin, steht man vor einer zweiten Warteschlange, die noch viel länger ist. So ist das im US-Konsulat auch. Drinnen sitzen ungefähr 299 Leute vor 23 Schaltern, um Visa oder Pässe zu bekommen. Wahrscheinlich ziemlich genau 299 Leute, denn ein Schild an der Wand lässt verlautbaren, dass der Raum nur für 299 Leute zugelassen ist. Nummer 300 wird wahrscheinlich nach altem amerikanischen Brauch vorläufig erschossen.
299 Leute für 23 Schalter? Klingt bei fünf bis zehn Minuten pro Antragsteller ja nicht allzu schlecht. Hat sich die US-Verwaltung bestimmt auch gedacht und daher zeitweise 21 davon geschlossen. Witness our perfection, puny
»Halten Sie sich jetzt noch für ein Interview bereit.« Hä, was?! Bin ich ein Star oder wie? Das vielbesungene Verhör gibt's ja tatsächlich! Also nochmal zwei (gefühlte fünf) Stunden warten, dann wieder an nen Schalter. Ein bißchen aufgeregt bin ich schon, aber auch auf jede Frage vorbereitet: Verheiratet? Nein, aber..äh... ne Verlobte. Und nen Hund! Fotos von denen im Portemonnaie? Im Handy! Und das durfte ich nicht mitnehmen (mit den eigenen Waffen geschlagen!). Abhängig von Wipperfürther Nacktkatzenmilch? Allerdings! *Hust* Können wir uns beeilen, ich muss zum Melken.
»Sie sind Journalist?« »Ja.«
»Wo arbeiten Sie?« »IDG Entertainment Verlag, München.«
»Wir schicken Ihnen Ihr Visum in den nächsten Tagen zu.«
»...!?«
Und so ging ein ereignisreicher Tag zuende. Was haben wir gelernt?
Markus: »Ich sollte öfter in die Kirche gehen.«
Frank: »Ich war noch nie unter den letzten zehn...«
Ich: »Zeit ist relativ. Relativ lang.«


16 Comments:
Die letzte kurze Passage über das Interview klingt nach dem mittermeier'schen Nazicheck in US-Waffenläden:
"Are you Nazi?" - "No!" - "Okay..."
Ansonsten kann man nur sagen: die haben vom deutschen Beamtentum hervorragend gelernt, die Burgermampfer...
22/3/06 21:14
Business Visum für den Iran dauert gefühlte 2 Wochen. Dafür darf man aber mit Sturmgewehr rein.
22/3/06 21:30
Man kommt bestimmt auch nur mit nem Sturmgewehr wieder raus, wa?
22/3/06 21:37
Ha! 1:0!
In your face!
22/3/06 21:40
Also gegen die USA, nicht gegen Sno.
22/3/06 21:45
Wie das Visum schicken sie zu...muss man sich das nicht auch persönlich abholen um spaßeshalber nochmal durchsucht zu werden. Oder um doch noch an die Wand gestellt zu werden...
22/3/06 21:56
wie, gemecker? ihr habt doch gekriegt, was ihr wollt! sehr fein geschrieben, aber - gähn - ich sehe schon, die herren journalisten waren noch nie in einer afrikanischen auslandsvertretung, bei den pakistanern oder indern. das (!) ist highlevel-gebiet. die machen dann einfach irgendwann den rolladen runter und aus. die maus.
22/3/06 22:24
und ein präventiv-nein hinterher. indien und pakistan gehören nicht zu afrika. war eine aufzählung. ;)
22/3/06 22:26
Glaubst Du wirklich, dass Du das Visum jetzt noch zugeschickt bekommst? :-)
23/3/06 07:56
Zumindest meinen Pass hätte ich gern wieder...
23/3/06 08:27
War bei mir genauso. Ich hätte schreien können.
So, Sie studieren also. -- Ja. -- Wo studieren Sie? -- ... -- Wir schicken Ihnen das Visum in Kürze zu.
Wissen die eigentlich dass es in Deutschland Telefone für sowas gibt? Und wissen die wie teuer die deutsche Bahn ist, um von sonstwo nach FFM zu fahren? :(
23/3/06 09:10
Die spinnen einfach die Amis. War zwar ganz nett neulich an der Westküste, aber ich fahr' da so schnell nicht wieder hin. Weder mit Frankfurter Visum noch mit biometrischem Schnickschnack. Die sollen sich ihre Touristen zukünftig woanders suchen.
23/3/06 10:59
Verlobt? Wirklich verlobt? Oder doch nur mit der Nacktkatze?
23/3/06 12:41
"Wenn Sie hier, hier, da und dort unterschreiben, bekommen Sie die restlichen Formulare in ein paar Tagen zugeschickt, das verspreche ich."
23/3/06 16:42
@ Christoph:
Nein, nicht verlobt. Verlobt sein ist doch... schwul.
23/3/06 17:50
Muahaha... erinnert mich stark an meine Visumserlebnisse dort, vor allem der dickliche Asiate kommt mir arg bekannt vor. Dessen Laune war beim mir ähnlich. Und außerdem seiense mal froh, Herr Siegismund, dass sie nicht wie ich in einer Woche 3x von München nach Frankfurt mussten!
29/3/06 15:52
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